Fachbereich Psychotherapie
Die transaktionsanalytische Psychotherapie wurzelt in der Tiefenpsychologie, speziell in der Psychoanalyse von S. Freud und in der Individualpsychologie von A. Adler. Sie nahm aber auch die Gedanken der kognitiven Psychotherapie (z. B. A. Ellis, A. Beck) vorweg, berücksichtigt die Entwicklungspsychologie (z. B. J. Piaget) und die Systemtheorie. Daraus bildet sie eine stimmige Theorie, welche die Entwicklung, Struktur und Dynamik der Persönlichkeit einerseits, die Einbettung der Persönlichkeit in ihre Umwelt (Familie, Arbeitsplatz, Gesellschaft) andererseits und die Entstehung von psychischen Störungen beschreibt. Die Transaktionsanalyse verbindet innerpersönliche Vorgänge mit dem Geschehen auf der zwischenpersönlichen Ebene.Anwendungsfeld
Die Transaktionsanalyse eignet sich zur Behandlung aller Formen psychischer Störungen, wie z. B. die Behebung isolierter Symptome (z. B. Phobien), psychische Folgen von Traumatisierungen, Depressionen, Suchtverhalten/Abhängigkeit, Therapie tiefgreifender Persönlichkeitsstörungen (z. B. Borderline-Persönlichkeitsstörungen, narzisstische Persönlichkeitsstörungen) und Psychosen. Die Transaktionsanalyse ermöglicht sowohl Kurztherapieverfahren, das heisst ausschliesslich am Symptom orientierte Verfahren, als auch Langzeittherapien zur Persönlichkeitsveränderung und -entwicklung. Es gibt ein breites Spektrum an Interventionstechniken, z. B. klassische Schule nach E. Berne, Neuentscheidungsschule nach Goulding, Schiff’sche Neubeelterungsschule, tiefenpsychologisch-beziehungsorientierte und systemische Ausrichtung.Der systemische Aspekt der Transaktionsanalyse in der Kommunikations- und Spieltheorie macht sie besonders geeignet zur Beratung und Behandlung von Paaren und Familien. Oft ermöglicht erst die bewusste Wahrnehmung der zwischenmenschlichen Abläufe den Wechsel zu einem konstruktiven Verhalten. Der therapeutische Prozess beinhaltet die Bewusstwerdung von destruktiven Skriptbotschaften, emotionalen Fehlhaltungen, verdeckten Lebenszielen und unangemessenen Verhaltensweisen. Die Beziehung bildet die stützende Basis (Containment, Gefäss), auf der die therapeutische Arbeit stattfinden kann.
Heilung wird verstanden als Veränderung von den in der Kindheit erworbenen Denk-, Fühl- und Verhaltensweisen im Sinne einer Auflösung von einschränkenden Botschaften. Ziel der Behandlung ist die Entwicklung von Autonomie (Bewusstheit, Spontaneität und Intimität). Die Verwirklichung der Autonomie bedeutet für das Individuum, dass es:
- seine Vorurteile ablegt
- sich von destruktiven Überzeugungen befreit
- in der Gegenwart lebt und dabei in Kontakt mit sich selbst und seinen Mitmenschen steht
- bereit und fähig ist, Liebe zu geben und anzunehmen
Berufe/Arbeitsfeld
Da die Psychotherapie eine Methode zur Behandlung von psychischen Störungen und Krankheiten ist, gehört sie in den Bereich des Gesundheitswesens. Somit unterliegt die Psychotherapeutin/der Psychotherapeut den von den Kantonen erlassenen Vorschriften zur selbstständigen Berufsausübung (Praxisbewilligung). Die Kantone haben zur Berufsausübung jeweils verschiedene Zulassungsbedingungen aufgestellt, die bei den jeweiligen Gesundheitsdirektionen nachzufragen sind.Meistens wird ein Hochschulstudium vorausgesetzt in den Bereichen Humanmedizin, klinische Psychologie oder in manchen Kantonen auch Theologie. Ausserdem wird klinische Erfahrung verlangt. Zusätzliche Bestimmungen betreffen die Erfüllung der Richtlinien der Schweizer Charta für Psychotherapie und bei Ärztinnen und Ärzten die Erfüllung der FMH-Richtlinien (Facharztausbildung Psychotherapie).
